Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt

Das klingt erstmal bedrohlich. Dennoch aber entspringt dieser Spruch der ganz schlichten Wahrheit, dass alles, mit dem wir es im täglichen Leben zu tun haben, erstmal über einen Tisch wandert, bis es als fertiges Produkt in unsere Hände gerät. Was ist also das Geheimnis dieser ursprünglichen Basis?

Der Tisch in der Gesellschaft

Schon das letzte Abendmahl aß man an einer langen Tafel, in Ritterrunden schwelgte manch einer nach siegreicher Schlacht über deftigen Köstlichkeiten und überall steht doch stets ein Tisch im Mittelpunkt. Mit wuchtiger Imposanz oder dezenter Funktionalität – die Designer sind durchaus kreativ, wenn es um die Gestaltung dieses Lebensmittelpunktes geht. Ganze Familien versammeln sich hier, gute Freunde zu lockeren Runde und mehr oder weniger beachtet bildet der Tisch dabei steht das geheime Zentrum. Ihm gilt kaum spürbar die ganze Aufmerksamkeit, denn obwohl sich alle Mann drum herum einfinden, die Arme aufstützen und die Füße drunter stecken, hält sich der Tisch selbst währenddessen ganz dezent zurück. Damit kann man ihn wohl als Diplomat unter den Einrichtungsgegenständen bezeichnen. Er spielt sich nicht in den Vordergrund und ist doch immer erster Ansprechpartner, wenn es darum geht, gesellschaftliche Belange weiter voran zu bringen. Am runden Tisch sitzend wurden schon Fehden und Kriege abgewendet, jedoch auch große und kleine Pläne für die Zukunft beschlossen. Der Tisch ist immer mittendrin. Braucht der Tisch etwa das Getöse, den großen Auftritt, den Ansturm der Massen?

Auf Tischen zeichnet sich Geschichte

Nein, denn der Schreibtisch ist noch einmal und mindestens ebenso erfolgreich, wenn man ihm an solitärer Stelle, im Arbeitszimmer, der Bibliothek oder Studierstuben begegnet. Hier, als Einzelstück aufgestellt, zielt er kaum auf das große Publikum ab. Die kurzen Momente des Ruhmes sind es nicht, die an diesen Orten die Stimmung brodeln lassen und doch werkeln wir auch an solcher Stelle kräftig mit am Geschehen in der Welt. Wissenschaftliche Arbeiten erfinden am Schreibtisch ein Stück weit die Zukunft voraus, planen Neuerungen und Fortschritt, aber erhalten doch immer auch die Erinnerungen an die Vorläufer und damit einen Teil unserer Geschichte fest. So steht es geschrieben, Schwarz auf Weiß und eben auf einem Tisch. Das sagt nur nie einer. Selbst die Schriftsteller, deren zeitaufwändige Tätigkeit sie quasi auf alle Ewigkeit mit diesem Einrichtungsgegenstand zusammenschweißt, halten sich in seiner Huldigung doch auffällig zurück. Der Federkiel, die Schreibmaschine, das alles sind ihre Arbeitsgeräte, und die haben auch ihnen zustehende Erwähnung gefunden und gelten seither als Symbol dieser Schaffenskunst. Der Tisch hat dererlei einfach nicht nötig, denn der steht bei aller Prominenz immernoch mit allen Beinen auf dem Boden, aber wehe der wackelt, dann ist das Geschrei meist doch ganz groß.

 
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